Simbabwe Wirtschaftstrends

Wirtschaftstrends Jahreswechsel 2011/12 - Simbabwe

 

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Verfasser: Heiko Stumpf (1. Quartal 2012)

Bonn (gtai) - Simbabwes Wirtschaft konnte sich 2011 stabilisieren und dürfte 2012 real um 2,4% wachsen. Ein Anstieg der Bergbauproduktion und Dynamik im Telekommunikationssektor sorgen für Impulse. Hingegen lassen in wichtigen Infrastrukturbereichen, wie Gesundheitswesen, Wasser- und Energieversorgung, die dringend nötigen Investitionen noch auf sich warten. Die unklare politische Entwicklung sorgt für Unsicherheit. Die weitere wirtschaftliche Konsolidierung hängt entscheidend von den nächsten Wahlen ab.

Gesamtwirtschaftlicher Ausblick

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts

Simbabwe dürfte auch 2012 seine wirtschaftliche Erholung fortsetzen. Während jedoch die Regierung mit einem starken realen Wachstum von 9,4% rechnet, sehen internationale Ökonomen die Entwicklung etwas weniger optimistisch. Die Economic Intelligence Unit (EIU) etwa schätzt das Plus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für 2012 auf 2,4%, der Internationale Währungsfonds (IWF) auf 3,1%.

Nach einem Jahrzehnt des Niedergangs und der Hyperinflation konnte sich die Wirtschaft des Landes seit der Einführung eines Multiwährungssystems im Jahr 2009 wieder positiv entwickeln. Getragen wird der Aufschwung vor allem durch den Bergbausektor, der durch bessere makroökonomische Bedingungen die Produktion erhöhen konnte. So dürfte 2011 ein Wirtschaftswachstum von etwa 5,9% erzielt worden sein, nachdem die Regierung zunächst 9,3% anvisiert hatte.


Simbabwe

Das Land bietet großes Potenzial im Bergbau und in der Landwirtschaft und verfügt über vergleichsweise gut ausgebildete Arbeitskräfte. Bis zur Jahrtausendwende konnte Simbabwe eine für die Region relativ breite industrielle Basis aufweisen, die jedoch in den vergangenen zehn Jahren zu großen Teilen verloren gegangen ist. Nach Angaben der Confederation of Zimbabwe Industries ist die Auslastung der Industriebetriebe von 13,5% in 2010 auf 57,2% in 2011 gestiegen.

Der wirtschaftliche Aufschwung ist aber weiterhin großen Risiken ausgesetzt. Der amtierenden Einheitsregierung aus Zanu-PF und MDC ist es bislang nicht gelungen, die vielen strukturellen Probleme des Landes zu lösen. Darunter fallen die dringend erforderliche Restrukturierung der Staatsunternehmen und die Bekämpfung des Liquiditätsmangels. Viele Unternehmen sind unterkapitalisiert und der Bankensektor kann keine ausreichenden Kredite gewähren. Ausländische Kreditlinien sind ebenfalls kaum verfügbar.

Hinzu kommt die weiter unsichere politische Zukunft. Die wirtschaftliche Entwicklung hängt stark von Termin und Ablauf der nächsten Wahlen ab. Die Zanu-PF Partei des amtierenden Präsidenten Robert Mugabe möchte noch 2012 wählen lassen. Die MDC von Premierminister Morgan Tswangirai besteht jedoch darauf, dass - wie vereinbart - vor den Wahlen zuerst eine neue Verfassung verabschiedet wird. Demnach würden Wahlen wohl erst 2013 stattfinden können. Beobachter rechnen damit, dass ein Wahlsieg der MDC den wirtschaftlichen Aufschwung und den Zufluss von internationalen Gebergeldern fördern würde. Der Wirtschaft bereitet zudem die schlechte Infrastruktur Probleme. Ständige Stromausfälle verursachen große Schwierigkeiten und auch die Wasserversorgung und Transportwege sind marode.

Wirtschaftliche Eckdaten
Indikator 2010 2011 1) Vergleichsdaten Deutschland 2010
BIP (nominal, Mrd. US$) 1,6 2,0 3.285
BIP pro Kopf (US$) 127 159 40.171
Bevölkerung (Mio.) 12,6 12,6 81,8
Wechselkurs (1 US$ =) 2) 374,0 375,0

1) Schätzungen; 2) Jahresdurchschnittskurs des Simbabwe-Dollar (Z.$)

Quellen: EIU, Oanda

 

Ausgewählte Großprojekte
Projektbezeichnung Investitionssumme US$ Projektstand Anmerkung
NewZim Steel (60% gehören zum Essar Konzern) 436 Mio. Planung Investitionen in die Stahlproduktionsanlagen der ehemaligen Ziscosteel
NewZim Minerals (80% gehören zum Essar Konzern) 4 Mrd. Planung Förderung und Verarbeitung von Eisenerz in Mwanesi
Binga Wärmekraftwerk in Lusulu 3 Mrd. Planung Geplante Kapazität 2.000 MW, Bau soll durch bisher nicht näher benanntes französisches Konsortium erfolgen
Batoka Gorge Wasserkraftwerk 1,8 Mrd. bis 2,4 Mrd. Planung Geplante Kapazität 1.600 MW, Gemeinschaftsprojekt zwischen Simbabwe und Sambia
Hwange Wärmekraftwerk 600 Mio. bis 900 Mio. Planung Ausbau der Kapazität um 600 MW
Kariba South Wasserkraftwerk 400 Mio. Planung Ausbau der Kapazität um 300 MW
Gokwe North/Sengwa Kohlekraftwerk 3,6 Mrd. Planung Geplante Kapazität 2.400 MW
Zimplats Ngezi Platinum Mine Phase 2 und 3 Phase 2: 500 Mio.; Phase 3: k.A. Phase 2: In Bau; Phase 3: In Planung Phase 2: Bau einer neuen Mine und Verarbeitungsanlage mit einer Kapazität von 2 Mio. t
Lontoh Coal Lubimbi Mine 1,2 Mrd. Planung Bau einer Kohlemine
Lontoh Coal Kohlever-flüssigungs-anlage 5,5 Mrd. Planung Bau einer Raffinerie mit einer Kapazität von 50.000 bpd

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

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