Südafrika Wirtschaftstrends

Wirtschaftstrends Jahreswechsel 2011/12 - Südafrika

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Verfasser: Heiko Stumpf (1. Quartal 2012)

Bonn (gtai) - Südafrikas Wirtschaft bleibt auf Wachstumskurs, wenn auch mit geringerem Tempo. Für 2012 rechnen Experten mit einem realen Plus des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von etwa 2,8%. Der Ausbau der Infrastruktur sowie hohe Ausgaben der Konsumenten sorgen dabei für entscheidende Impulse. Südafrika ist der neuntwichtigste Überseemarkt für die deutsche Exportwirtschaft und bietet auch künftig zahlreiche Liefer- und Beratungschancen. Hinzu kommt, dass vom Kap aus die gesamte Region bedient werden kann.

Gesamtwirtschaftlicher Ausblick

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts

Die südafrikanische Wirtschaft muss sich für die nächsten Jahre auf mäßiges Wachstum einstellen. Ökonomen schätzen die realen Steigerungsraten für 2012 zwischen 2,3 und 2,8% ein. Für 2013 wird eine leichte Beschleunigung der BIP-Entwicklung erwartet, mit einer Zunahme von 3,3 bis 3,7%. Die wirtschaftliche Entwicklung wird damit hinter den Erwartungen der Regierung zurückbleiben. Um die hohe Arbeitslosigkeit des Landes zu bekämpfen, hat sich die von Präsident Jacob Zuma geführte ANC-Regierung zum Ziel gesetzt, das Land auf einen kontinuierlichen Wachstumspfad von 6 bis 7% zu führen. Auch 2011 verlief mit einem geschätzten BIP-Plus von 3,1% eher enttäuschend. Anfang 2011 war noch mit einem Anstieg um etwa 3,7% gerechnet worden. Insbesondere Produktionsrückgänge im verarbeitenden Gewerbe und Bergbau wirkten sich negativ aus. Grund dafür waren unter anderem groß angelegte Streikwellen, die Mitte 2011 zahlreiche Betriebe lahm legten.

Risiken ergeben sich für Südafrikas Wirtschaft vor allem aus der weltweiten Entwicklung der Konjunktur und der damit zusammenhängenden Nachfrage nach Rohstoffen. Auch steigende Kosten werden für die Unternehmen zunehmend zum Problem. Hohe Lohnabschlüsse, die teilweise im zweistelligen Bereich und damit deutlich über der Inflationsrate liegen, sorgen für Kostendruck. Des Weiteren werden die Strompreise 2012 nochmals um 25% anziehen, nachdem es bereits in den letzten beiden Jahren zu Erhöhungen in gleicher Größenordnung gekommen ist. Die Energieknappheit des Landes ist zudem weiterhin ein Hemmnis bei der Realisierung von Großprojekten.

Gestützt wird die Wirtschaft vor allem durch höhere Ausgaben der Konsumenten und durch Investitionen der öffentlichen Hand. Für die nächsten drei Jahre sind Investitionen in die Infrastruktur in Höhe von 802 Mrd. Rand geplant. Die Infrastrukturausgaben für 2011 werden auf 223 Mrd. R veranschlagt. Der in den letzten Monaten deutlich schwächere Wechselkurs des Rand gegenüber wichtigen Währungen wie dem US-Dollar, Euro oder Yen könnte die Exportchancen für südafrikanische Produkte erhöhen und Impulse für das produzierende Gewerbe und den Bergbau liefern. Ökonomen rechnen in 2012 mehrheitlich nur mit einer leichten Erholung des Rand gegenüber wichtigen Leitwährungen.

Bei der Inflation ist eine steigende Tendenz zu verzeichnen. Das Statistikamt Stats SA meldet für 2011 eine Teuerungsrate von 5%. Für 2012 gehen Experten mehrheitlich davon aus, dass sich die Preissteigerung in Richtung 6% bewegen wird.

Wirtschaftliche Eckdaten

Indikator 2010 2011 Vergleichsdaten Deutschland 2010
BIP (nominal, Mrd. US$) 364,2 402,6 3.285
BIP pro Kopf (US$) 7.284 7.958 40.171
Bevölkerung (Mio.) 1) 50,0 50,6 81,8
Wechselkurs (1 US$ =) 2) 7,3240 7,2486

1) Schätzungen; 2) Jahresdurchschnittskurs des südafrikanischen Rand (R)

Quellen: Statistics South Africa; EIU; Oanda

 

Ausgewählte Großprojekte

Projektbezeichnung Investitionssumme Projektstand Anmerkung
New Largo Coal Mine Project 11,7 Mrd. R Planung Bau einer Kohlemine für das Kusile Kraftwerk
Prasa Schienen-personenverkehr 140 Mrd. R Ausschreibungen stehen größtenteils noch bevor Erneuerung der Schienenflotte; Neubau und Erneuerung von Bahntrassen
Transnet Schienen und Häfen 110 Mrd. R Teilweise noch im Planungsstadium Bau beziehungsweise Ausbau von Häfen und Bahntrassen
Titan und Zirconium Verarbeitungs-komplex 15,3 Mrd. R Planung Rare Metals Industries (RMI)
Swazilink Railway 17 Mrd. R Planung, geplante Bauzeit 2013 bis 2016 Bau einer Bahnverbindung von der Mpumalanga Provinz zu den Häfen in Richards Bay und Maputo durch Swasiland
Eskom Energie 450 Mrd. R Ausschreibungen stehen teilweise noch bevor Ausbau Energieinfrastruktur
Telkom 6 Mrd. R Umsetzung bis 2015 Aufbau Mobilfunknetz
Cell C 5 Mrd. R Ausschreibungen stehen teilweise noch bevor Ausbau Mobilfunknetz
Automobil-industrie 15 Mrd. R Investitionen stehen teilweise noch bevor Neu- und Ausbau von Werken verschiedener Hersteller
Kumba Kolomena Iron Ore Project 8,5 Mrd. R Im Bau, Vollbetrieb für 2013 geplant Bau der Sishen South Mine

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

 

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