Angola Wirtschaftstrends

Wirtschaftstrends Angola Jahreswechsel 2010/11

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Verfasserin: Dr. Inge Hackenbroch (Juli 2010, aktualisiert im Januar 2011)

Nairobi/Luanda (gtai) - Angolas Wachstumsboom hat durch die internationale Finanzkrise und den Rückgang der Ölpreise einen harten Einbruch erlitten. Wegen der Folgen für die Staatseinnahmen waren 2009 öffentliche Investitionen eingefroren worden. Mit höheren Exporteinnahmen hat sich die Wirtschaft erholt. Sie dürfte in den nächsten Jahren wieder kräftig wachsen, jedoch weniger als vor 2008. Angola bleibt damit ein wichtiger Abnehmer von Ausrüstungen und Zulieferungen, vor allem bei der Durchführung von Infrastrukturinvestitionen.

Gesamtwirtschaftlicher Ausblick

Angolas wirtschaftliche Entwicklung wird weiterhin hauptsächlich vom Erdölsektor bestimmt, wodurch das Wachstum kapitalintensiv und importabhängig bleibt. Dennoch haben sich die makroökonomischen Indikatoren in den Jahren seit Beendigung des Bürgerkriegs (2002) stetig verbessert. Die zweite Phase des Wiederaufbaus bringt eine erneute Belebung der Investitionen und soll einen breiteren Teil der Volkswirtschaft erfassen. Nach dem Einbruch 2009 mit einem realen Rückgang des Sozialprodukts hat 2010 wieder ein spürbarer Aufwärtstrend eingesetzt.

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts

Der Rückgang der Erdölpreise hatte 2009 eine Kontraktion des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um real 0,6% gebracht. Bei erholten Ölpreisen betrug das Wirtschaftswachstum 2010 nach letzten Schätzungen etwa 3%. Für 2011 und das Folgejahr prognostizieren die Experten wieder 7% und mehr. Dies stützt sich vor allem auf die erwartete Zunahme der Erdölförderung durch Inbetriebnahme von neuen Projekten der größten unter den in Angola tätigen Ölkonzerne. Im Jahr 2009 waren mehrere neue Offshore-Vorkommen entdeckt worden.

Die Inflationsrate bleibt zweistellig, trotz der kostspieligen Interventionspolitik der Zentralbank zur Stabilisierung der Landeswährung Kwanza. Nach vorliegenden Prognosen soll sich die durchschnittliche Veränderungsrate der Preise auch in den Jahren 2011 und 2012 zwischen 13 und 15% bewegen. Der inflationäre Druck war durch den Abwärtstrend der Währung 2008 verstärkt worden, und häufige Verzögerungen bei der Einfuhrabfertigung hatten in Angolas importabhängiger Volkswirtschaft zusätzlich die Preise nach oben gedrückt.

Erstmals war 2008 ein finanzielles Abkommen mit dem Internationalen Währungsfonds abgeschlossen worden. Ferner hat die Normalisierung der Beziehungen Angolas zum westlichen Club der Gläubigerländer (Pariser Club) durch die erfolgte Schuldenrückzahlung dem Land auch aus diesem Kreis neue Kreditlinien eröffnet. Als wichtigste Quellen von Darlehen zu kommerziellen oder subventionierten Bedingungen gelten nach der VR China die traditionellen Partnerländer Portugal und Brasilien sowie Spanien und Deutschland.

Das verbesserte Rating Angolas durch internationale Kreditagenturen hatte allerdings einen Dämpfer erhalten durch zunehmende Zahlungsrückstände gegenüber Unternehmen, hauptsächlich Baufirmen aus Portugal und Brasilien. Damit wollte die Regierung 2009 den Verfall der Währungsreserven aufhalten. Inzwischen wurde nach Berichten aus Luanda mit der Rückzahlung der aufgelaufenen Forderungen begonnen, die sich nach vorliegenden Informationen in einer Größenordnung zwischen 7 Mrd. und 9 Mrd. US$ bewegen.

Die Durchführung der zahlreichen Großprojekte vor allem im Infrastruktursektor, die sich in der Pipeline befinden, krankt weiterhin an den Unzulänglichkeiten im administrativen Bereich. Hier sollen neue Regeln des Finanzministeriums für die Budgetierung und Verausgabung öffentlicher Mittel in Zukunft mehr Transparenz schaffen. Ferner kritisieren Beobachter nach wie vor die zu geringe Ausstrahlung des Erdölsektors auf die übrigen, speziell die nicht vom Staat dominierten Sektoren der Wirtschaft sowie auf den allgemeinen Lebensstandard der Bevölkerung. Als Hindernisse für die Entwicklung einer dynamischen Privatwirtschaft gelten weiterhin vor allem der Mangel an ausgebildeten Fachkräften, unzureichende Regulierungssysteme, Korruption sowie eine ineffiziente Gerichtsbarkeit.

Zur Entwicklung des Agrarsektors hat die Regierung die Bereitstellung einer Kreditlinie von 250 Mio. $ bekannt gegeben, die zur Vergabe von kurz- und langfristigen Darlehen an kleine und mittelständische Bauern verwendet werden sollen. Ferner wurden kräftige Ausgabensteigerungen für das Armutsbekämpfungsprogramm sowie für die zweite Phase der Rehabilitierung und Erweiterung der Infrastruktur bekannt gegeben.

Gesamtwirtschaftliche Prognosen 1) 2)
Bereich 2009 2010 2011 2012
BIP -0,6 2,9 7,3 8,5
Budgetsaldo (% von BIP) -8,6 3,0 3,3 4,1
Leistungsbilanz (Mrd. US$) 3) -7,6 -1,9 -2,3 -3,4
Leistungsbilanz (% von BIP) 3) -9,0 -2,2 -2,2 -2,7
Importe 3) 4,0 8,0 4,3 4,1
Exporte 3) -5,9 1,5 4,5 4,3
Auslandsverschuldung (Mrd. US$) 16,1 18,0 19,4 20,0
Inflationsrate 3) 4) 14,0 15,2 12,9 12,9

1) Schätzungen beziehungsweise Prognosen; 2) reale Veränderung gegenüber dem Vorjahr in %, sofern nicht anders angegeben; 3) 2009: tatsächlicher Wert; 4) Jahresende

Quelle: EIU, Dezember 2010

Ausgewählte Großprojekte
Projekte Wert Stand Anmerkung
Erdöl:
Erdölraffinerie Sonaref/Lobito 6,4 Mrd. US$ Betriebsaufnahme bis 2013 Sonangol
Flüssiggasanlage 8 Mrd. US$ Betriebsaufnahme 2012 Joint Venture von Sonangol, Chevron, BP und Total ( www.angolalng.com)
Bauwirtschaft:
Industriezentrum Baia Azul/Benguela 2 Mrd. US$ Bauzeit 12 Jahre Taminvest Angola und Projectos e Participacoes
Industriepark / Provinz Malange 605 Mio. US$ Planung Sociedade de Desenvolvimento Rural (SDR)
Wohnungskomplex Bom Jesus/Luanda 800 Mio. US$ Durchführung Taminvest Angola, Luanda
Hotelkomplex Mutamba/Luanda 275 Mio. US$ Durchführung Portugal Rochal mit Chaitua, VR China
Fünfsterne-Hotel in Luanda City (Sana Luanda Royal Hotel) 77 Mio. US$ Durchführung Hotel Investment Society (SIVOL)
Infrastruktur:
Wasserkraftwerk Capanda 112 Mio. US$ In Durchführung Technopromexport, Russland
Bioenergieprojekt (Zuckerfabrik) 220 Mio. US$ Durchführung Joint Venture von Sonangol, Damer, Odebrecht/Brasilien
Erweiterung der Stromversorgung/-verteilung 2 Mrd. US$ Planung Regierungsvorhaben
Unterwasserkabel für Telekommunikation 70 Mio. US$ Planung Angola Telecom, Kontraktor Ericsson South Africa
Verarbeitungs-industrien:
Zementfabrik Palanca Cimento 200 Mio. US$ Durchführung Escaom, Portugal mit Gema, Angola

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Wachstumsbranchen: Erdölwirtschaft, Bergbau, Telekommunikation, Agroindustrie, Hotellerie

Wechselkurs Mitte Januar 2011: 1 US$ = 93 Neue Kwanza (Kzr), 1 Euro = 121 Kzr

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