Südafrika Rohstoffsicherung

Südafrika verschläft zweiten Rohstoffboom

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Verfasser: Carsten Ehlers (1. Quartal 2012)

Bonn (gtai) - Trotz großer Rohstoffvorkommen tut sich Südafrika schwer, Kapital aus dem Rohstoffboom zu schlagen. Hohe Markteintrittsbarrieren, eine unattraktive Bergbaugesetzgebung sowie eine schwach ausgebaute Infrastruktur schrecken potenzielle Investoren ab. Im internationalen Vergleich liegt Südafrika deutlich hinter Australien, Kanada und Russland zurück. Dabei ist das Land reich an Platin, Gold, Kohle, Eisenerz, Mangan, Diamanten, Uran und Chrom. (Kontaktanschriften)

Riesiges ungenutztes Potenzial / Hohe Markteintrittsbarrieren

Laut einer Studie des kanadischen Fraser Instituts zu attraktiven Bergbaustandorten steht Südafrika nur auf Platz 61 von insgesamt 72 Ländern. Gerade bei der Exploration, einem wichtigen Frühindikator für die zukünftige Entwicklung des Bergbaus, ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Nach Angaben der Johannesburger Chamber of Mines zog das Land 2003 etwa 34% der Explorationsausgaben für das gesamte Afrika auf sich, 2010 lag dieser Anteil bei nur noch 12%. Bei den derzeit stattfindenden Explorationstätigkeiten entfällt der größte Anteil auf Gold (51%), gefolgt von unedlen Metallen (33%), Diamanten (4%) und Platingruppenmetallen (PGM; 2%). Eine mangelhafte Infrastruktur, eine unklare und teilweise unattraktive Bergbaugesetzgebung und -politik sowie die immer wieder aufkommende Diskussion über die Verstaatlichung der Minen verunsichern die Geldgeber.

Selbst im afrikanischen Vergleich stehen Staaten wie Mosambik, Sambia, Guinea oder Ghana in der Beliebtheitsskala der internationalen Investoren deutlich vor der Kaprepublik. Heimische Bergbauunternehmen wie BHP Billiton oder Anglo American legen den Großteil ihres Kapitals inzwischen außerhalb Südafrikas an. Selbst die Chinesen, die bereits in Afrika Minen besitzen, halten sich bislang zurück. Mitte 2011 kaufte zwar die chinesische Jinchuan das südafrikanische Unternehmen Metorex für 9,1 Mrd. Rand (R; etwa 864 Mio Euro; 1 R = rund 0,09 Euro). Allerdings betreibt Metorex auch zwei Kupferminen in Sambia und Kongo.

Südafrikas meistverkaufte Rohstoffe 2010 *)

Rohstoff Verkauf (in Mrd. R) Steigerung zum Vorjahr (in %) Exportanteil am Verkauf (in %)
Platin 73,8 27,7 89,3
Kohle 73,2 11,8 50,2
Gold 53,1 9,0 96,1
Eisenerz 43,4 60,0 92,5
Mangan 10,7 90,8 87,6
Chrom 6,6 81,2 37,2
Gesamt 302,2 24,9

*) ohne Diamanten (hierzu keine Angaben verfügbar)

Quelle: Chamber of Mines, Johannesburg

Vor allem die im Bergbausektor im Vergleich zu anderen südafrikanischen Branchen recht früh eingeführten Black-Economic-Empowerment-Regularien (BEE) schrecken ausländische Investoren ab: Zum Beispiel die Abgabe von 40% der Eigentumsanteile an schwarze Unternehmen. Heimische Bergbauunternehmen haben sich jedoch auffallend gut mit den Regelungen arrangiert. Denn die alteingesessenen Betriebe verfügen in der Regel über beste Regierungskontakte und verhandeln häufig auf informellem Wege zahlreiche Ausnahmen mit den zuständigen Behörden. Letztlich halten die auf den ersten Blick strengen BEE-Regelungen dem südafrikanischen Bergbau bis heute die lästige ausländische Konkurrenz vom Leibe.

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