Südafrika Bau

Südafrika - Bauwirtschaft

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Verfasser: Carsten Ehlers, Bonn (April 2011)

Bonn (gtai) - Nach einer heftigen zweijährigen Krise könnte es für die südafrikanische Bauindustrie ab 2011 leicht bergauf gehen. Für 2012 rechnen Branchenkenner bereits wieder mit zweistelligem Umsatzwachstum. Ein Grund dürften die zunehmenden öffentlichen Aufträge in den Infrastrukturbereichen Wasser, Energie, Transport und Gesundheit sein. Hinzu kommt eine steigende Anzahl von Aufträgen aus der Industrie und dem privaten Wohnungsbau. Energieeffizientes Bauen gewinnt aufgrund steigender Strompreise am Kap an Bedeutung.

Marktentwicklung/-bedarf

Das Jahr 2011 könnte für die südafrikanische Bauindustrie erstmals wieder ein leichtes Wachstum bringen. So rechnet der Fachverband South African Federation of Civil Engineering Contractors (SAFCEC) mit einem Umsatzplus von 4,5%, 2012 sogar mit einer deutlichen Zunahme von fast 14%. Noch 2010 erlitt die lokale Baubranche eine heftige Krise, der Umsatz brach um 36% ein. Seit 2009 ging der Umfang von Bauaufträgen, insbesondere der öffentlichen Hand, deutlich zurück. In den Jahren zuvor mussten die Behörden zahlreiche Infrastrukturprojekte fertigstellen, die im Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft 2010 standen.

Durch den Bauboom, den Südafrika in den Jahren 2005 bis 2008 erlebte, wurde der Bausektor stark aufgebläht. Etliche neue Bauunternehmen entstanden. Ein Brancheninsider berichtet, dass bei Ausschreibungen, an denen vor wenigen Jahren nur fünf Unternehmen teilgenommen hätten, inzwischen etwa 20 Wettbewerber auftreten. Der hohe Wettbewerbsdruck dürfte in den kommenden Jahren weiter fortbestehen.

Strukturdaten der Bauwirtschaft in Südafrika (in Mrd. Rand; Veränderung in %) *)
Kennziffer 2009 2010 Veränderung 2010/09
Wert der erbrachten Bauleistungen, davon Wert fertiggestellter 55,2 43,8 -20,7
.Wohnungen 26,4 21,0 -20,5
.gewerblicher Immobilien 16,1 11,5 -28,6

*) zu laufenden Preisen; Wechselkurs am 18.4.11: 1 Euro = 9,835 Rand (R)

Quelle: Statistics South Africa

sa

Auch für die kommenden Jahre hat die südafrikanische Regierung reichlich Kapital für Infrastrukturprojekte bereit gestellt. Etwa 80 Mrd. Euro sollen in die Bereiche Transport, Energie, Wasser und Gesundheit fließen. Allerdings fehlen den lokalen Behörden Fachkräfte, die derartige Vorhaben planerisch umsetzen können. Aus diesem Grund kommen auch nur sehr langsam neue Projekte für die Bauindustrie zustande. Dennoch dürften die staatlichen Aufträge eine stabile Basis darstellen.

Die beiden Staatsunternehmen Eskom und Transnet wollen bis 2015 insgesamt mehr als 30 Mrd. Euro in Kraftwerke und Verkehrsprojekte investieren. Eskom möchte über 20.000 MW an zusätzlicher Kapazität schaffen. Viele Milliarden Rand fließen in den Ausbau etlicher Häfen wie Durban, Ngqura (Neubau eines Tiefseehafens bei Port Elizabeth), Richards Bay (Kohleterminal) und Saldanha Bay (Eisenerzterminal). Mit den Arbeiten für den Bau des rund 3 Mrd. Euro teuren Personenschnellzugs Gautrain zwischen Johannesburg und Pretoria wurde 2006 begonnen. Zur Fußballweltmeisterschaft 2010 wurde das Teilstück zwischen Johannesburg-Flughafen und Johannesburg-Sandton fertiggestellt. Nun folgt noch der Rest der Verbindung nach Pretoria und ins Johannesburger Zentrum. Auch bei der Trinkwasserversorgung besteht Nachholbedarf. In den nächsten 20 Jahren sind neue Dämme für über 2 Mrd. Euro geplant.

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