Madagaskar Textil

Madagaskars Textilsektor verliert den Großteil seiner Aufträge

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Verfasser: Carsten Ehlers (3. Quartal 2011)

Antananarivo (gtai) - Madagaskars Textilsektor befindet sich in einer tiefen Krise. Speziell jene Unternehmen, die bis 2009 von Madagaskar aus den US-Markt beliefert haben, verzeichnen heftige Auftragseinbrüche. Durch den Entzug des AGOA-Status seitens der US-Regierung können in Madagaskar produzierte Textilien auch 2011 nicht mehr zoll- und quotenfrei in die USA geliefert werden. Ob und wann das Land den AGOA-Status wieder erhält, hängt vom Zeitpunkt der Wahl einer international anerkannten Regierung ab. (Kontaktanschrift)

AGOA-Status nur bei international anerkannter Regierung / Viele Mauritier ziehen ihre Produktion ab

Madagaskar

Madagaskars Textilsektor ist massiv von der politischen Krise des Landes in Mitleidenschaft gezogen. Seit 2010 hat das Land zumindest vorübergehend seinen Anspruch auf Handelspräferenzen aus dem African Growth and Opportunity Act (AGOA) verloren. Dieser Zustand hält auch 2011 an und könnte sich 2012 fortsetzen, sofern bis zum Entscheidungszeitpunkt Ende 2011 keine international anerkannte Regierung gewählt wird. Dadurch entfällt ein beträchtlicher Teil der Aufträge für den Textilsektor. Etwa 30 bis 50% der Textillieferungen gingen in den Jahren vor der Krise in die USA, nahezu der gesamte Rest in die EU. Die Zahl der Beschäftigten in Madagaskars Textilbranche ist analog von rund 120.000 auf 70.000 bis 80.000 gesunken.

Aufgrund von AGOA können in Afrika produzierende Textilunternehmen seit 2000 zoll- und quotenfrei in die USA exportieren. Das Weiße Haus veröffentlicht in der Regel Mitte Dezember die Liste jener Staaten, die im darauffolgenden Jahr von AGOA profitieren können. Ländern, die keine Fortschritte in Sachen Demokratisierung vorweisen, droht die Streichung von der AGOA-Liste. Für Madagaskar lautet die Bedingung die Schaffung einer international anerkannten Regierung.

Als Absatzmarkt für Textilmaschinen kommt Madagaskar derzeit nur vereinzelt in Frage. Einigen Unternehmen geht es nach wie vor gut und diese modernisieren auch regelmäßig ihren Maschinenpark. So verwendet beispielsweise Cotona, die größte Baumwollfabrik des Landes, deutsche Maschinen. Die meisten Textilmaschinen werden jedoch aus Japan eingeführt.

Speziell Textilfirmen aus dem nahe gelegenen Mauritius haben ihre madagassischen Produktionsfilialen vorübergehend geschlossen. Etliche Mauritier hatten in den letzten fünfzehn Jahren eine zweite Produktion in Madagaskar eröffnet. Während die hochwertigen, sehr technikintensiven Waren weiter in Mauritius hergestellt werden, konzentrieren sich die Tochterunternehmen in Madagaskar auf Massenware wie T-Shirts. Ein mauritischer Arbeiter im Textilbereich kostet monatlich etwa 300 US$, sein madagassischer Kollege nur etwa 50 US$. Immer noch ist der Einfluss mauritischer Textilfabrikanten in Madagaskar recht groß. Textilmaschinenproduzenten, die bereits Geschäftskontakte mit mauritischen Firmen etabliert haben, sollten dort ruhig mal nachfragen, ob es Modernisierungsbedarf in madagassischen Filialen gibt.

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