Madagaskar IKT

Madagaskars IT-Sektor kann Potenzial nicht nutzen

PDF version

Verfasser: Carsten Ehlers (3. Quartal 2011)

Antananarivo (gtai) - Obwohl die Telekommunikationsinfrastruktur in den vergangenen Jahren in Madagaskar ausgebaut wurde, stagniert der lokale IT-Sektor. Grund dafür ist vor allem die politische Krise, die für Unsicherheit bei den Investoren sorgt. Dem Sektor fehlt zudem effiziente Regulierung. Und Kredite sind nur gegen hohe Zinsen zugänglich. Nach den Wahlen dürften der IT-Sektor sowie der Mobilfunkmarkt zu den potenzialreichsten Branchen in Madagaskar zählen. (Kontaktanschriften)

Politische Krise sorgt für Stillstand / Airtel bevorzugt Nokia-Siemens Networks

Durch die hohen Investitionen in das Glasfasernetz in den letzten Jahren bestehen für IT-Dienstleistungen in Madagaskar deutlich bessere Voraussetzungen als in den Jahren zuvor. Die vorhandene Infrastruktur bietet gute Voraussetzungen für die Gründung von Callcentern und Business Process Operators (BPO). Auch Banken könnten Dienstleistungen wie Internet Banking anbieten. Allerdings sorgt die politische Krise, die in Madagaskar seit 2009 herrscht, für Stillstand im Sektor. Zum jetzigen Zeitpunkt, Mitte 2011, gibt es noch keine international anerkannte Regierung. Investoren kommen nur sehr begrenzt in das Land, weil ihnen das Investitionsrisiko derzeit zu hoch ist. Auch die Finanzierung von Projekten ist durch die politische Krise schwieriger geworden. Lokale Banken vergeben Kredite mit Zinsen von 18 bis 20%.

Madagaskar

Eine effizient arbeitende Regulierung des Sektors existiert nicht, weil die Vorgaben des Staates fehlen. So kommt es zu Problemen zum Beispiel bei der Lizenzvergabe. Mit Taratra Mobile gibt es erstmals einen Anbieter, der kein eigenes Netz aufbaut, sondern das Mobilfunknetz von Orange nutzt. Ein Gesetz hierfür gibt es nicht. Die Attraktivität des Marktes sorgt jedoch tendenziell für eine große Anzahl von Interessenten für eine Lizenz. Um die bereits aktiven Anbieter zu schützen, bedarf es einer Instanz, die Ausschlusskriterien schafft und auch anwendet. Zudem bestehen Lücken beim Datenschutz. Internet Banking wird aus diesem Grund bislang nicht von den Banken angeboten.

Laut Andry Tiana Ravalomanda, Generaldirektor von Telemad, unter anderem Vertreter von Siemens in Madagaskar, siedelten sich in Madagaskar bislang nur wenige IT-Firmen an. Etwa sechs oder sieben Callcenter, meistens von französischen Madagassen geführte Unternehmen, wurden bislang gegründet. Ravalomanda sieht für die Zeit nach der Krise, welche durch die geplanten Wahlen recht zügig zum Ende kommen könnte, sehr großes Investitionspotenzial.

Um den massiven Know-how-Mangel des Landes zumindest ein wenig abzuschwächen, gründete Orange 2010 eine Schule in Antananarivo für die Ausbildung von Callcenter-Fachkräften. Branchenexperten sehen in der Ausbildung von IT-Fachkräften in den kommenden Jahren auch eine der vorrangigsten Aufgaben. Schon jetzt benötigt der IT-Sektor etwa 600 Ingenieure.

Zum Gesamtartikel inklusive Kontaktanschriften