Madagaskar Wasser

Madagaskar hofft auf Notfallhilfe für seinen Wassersektor

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Verfasser: Carsten Ehlers (3. Quartal 2011)

Antananarivo (gtai) - Madagaskars Wassersektor steht 2011 vor großen Problemen. Durch die politische Krise seit 2008 fließen kaum noch Gelder aus dem Ausland. In den Städten kann die Versorgung nur noch bedingt gewährleistet werden. Auf dem Land brechen nach Angaben eines Experten aus dem Wasserministerium bereits Epidemien aufgrund kontaminierten Wassers aus. Daher hofft die Regierung zumindest auf Notfallhilfe aus dem Ausland, die zum Beispiel die Lieferung von Chemikalien umfassen würde. (Kontaktanschriften)

Stillstand bei Investitionen / Aufbereitungsanlagen müssen dringend gebaut werden

Madagaskar

Aufgrund der seit 2008 anhaltenden politischen Krise in Madagaskar ist ein Großteil der ausländischen Geberhilfen weggefallen. Wann der nächste Präsident und somit eine international anerkannte Regierung gewählt wird, ist auch Mitte 2011 noch längst nicht klar. Erst dann aber dürften die Gelder wieder reichlicher fließen. Für den Wassersektor des Landes sind die Folgen schwerwiegend. In einigen Orten ist die Wasserversorgung inzwischen so schlecht, dass Epidemien wie Cholera ausbrechen. Vertreter des Wasserministeriums sowie des Wasserversorgers Jirama hoffen daher auf sogenannte Notfallhilfen seitens der Entwicklungshilfe. Notfallhilfen werden häufig unabhängig davon gezahlt, ob das Empfängerland von einer anerkannten Regierung geführt wird.

Neben den Notfallhilfen, die kurzfristig Versorgungsprobleme entschärfen sollen, sind mittelfristig indes umfangreiche Investitionen in den madagassischen Wassersektor nötig. Jirama und der Staat haben dafür kein Geld. Daher wünschen sich die madagassischen Akteure Public-Private-Partnerships (PPP). So könnte ein Privatunternehmen eine im staatlichen Eigentum befindliche Aufbereitungsanlage bauen und betreiben. Die Finanzierung erfolgt meistens durch Entwicklungshilfegelder. Allein in der Hauptstadt Antananarivo müssen drei neue Aufbereitungsanlagen gebaut werden, darüber hinaus je eine in den Städten Diego Suarez (Antsiranana) und Tamatave (Toamasina).

Aufgrund der fehlenden Regierung initiieren die Behörden ohnehin keine größeren Projekte, weil dafür "grünes Licht" von ganz oben nötig wäre. Darüber hinaus sind die staatlichen Stellen (Wasserministerium und Jirama) aufgrund ihres Personalmangels mit der Planung der Aufbereitungsanlagen überfordert. So kann derzeit niemand für den Investor wichtige Parameter wie Laufzeit der Anlage, zu produzierende Trinkwassermenge oder Abnahmepreis des Wassers genau beziffern. Hier müsste laut Angaben eines Experten aus dem Wasserministerium die Entwicklungshilfe als erstes ansetzen, wenn wieder Gelder für größere Projekte freigegeben werden.

In allen Städten des Landes, insbesondere in Antananarivo, könnte der immer länger werdende Investitionsstau im Wassersektor die Probleme bei der Wasserversorgung zuspitzen. Investitionen im industriellen Bereich sowie eine schnell wachsende Bevölkerung treffen auf eine Infrastruktur, in die zuletzt Mitte der 1990er Jahre umfangreicher investiert wurde.

 

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