Lesotho Textil

Lesothos Textilindustrie will Kontakte zum EU-Markt knüpfen

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Verfasser: Carsten Ehlers (1. Quartal 2011)

Maseru (gtai) - Lesothos Textilindustrie steht vor einer schwierigen Zukunft. Sollte der Marktzugang zu den USA nicht über 2015 hinaus erleichtert bleiben, ist ihre Existenz gefährdet. Nun soll der EU-Markt erschlossen werden. Eine Delegationsreise der zumeist aus Taiwan stammenden lesothischen Textilproduzenten ist geplant. Nachteilig für Lesotho sind die im internationalen Vergleich geringe Produktivität sowie die Abgelegenheit des Standortes. (Kontaktanschrift)

Delegationsreise geplant / Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr

Lesotho

Die Aussichten für Lesothos Textilsektor sind trübe. Investitionen sind derzeit nicht geplant, Unternehmen reduzieren ihre Tätigkeit tendenziell. Bislang sind die USA fast der einzige Zielmarkt für lesothische Textilproduzenten, sie nehmen rund 85% aller in Lesotho verarbeiteten Textilien ab. Um langfristig planen zu können, bräuchten die Hersteller die Gewissheit, dass der African Growth and Opportunity Act (AGOA) seitens der US-Administration über 2015 hinaus verlängert wird. Dies ist derzeit jedoch völlig unklar.

Eine in AGOA enthaltene Drittstaatenregelung macht den Standort Lesotho erst interessant, da sie die Weiterverarbeitung von Textilien aus Drittstaaten grundsätzlich erlaubt. Allerdings soll eine Wertschöpfungsquote von mindestens 35% erreicht werden. Durch AGOA wird Lesotho attraktiv für asiatische Textilproduzenten, die von ihren Heimatländern aus nur einen sehr eingeschränkten Marktzugang zu den USA haben.

Aufgrund der ungünstigen Perspektive bemüht sich die Lesotho Textile Exporters Association (LTEA) nun erstmals um eine Erschließung des EU-Marktes. So ist, möglicherweise mit EU-Fördermitteln, eine Delegationsreise nach Europa geplant. Wann die Reise stattfinden und wo sie hinführen soll, ist noch offen. Laut Lin Chin Yi, Präsident der LTEA, wolle man damit die sehr einseitige Abhängigkeit von US-amerikanischen Abnehmern verringern. Mit dem European Partnership Agreement (EPA) wurden seit 2008 die Einfuhrbeschränkungen für den europäischen Markt deutlich gesenkt und somit gute Voraussetzungen geschaffen. Allerdings nahmen lesothische Textillieferungen in die EU kaum zu, da sich die Unternehmen bislang auf die USA konzentrierten. Teilweise herrscht der Irrglaube, der EU-Markt sei extrem aufgesplittert.

Ob der lesothische Textilsektor ohne Zoll- oder Quotenpräferenzen seitens der großen Abnehmermärkte existieren könnte, ist zumindest fraglich. Um die Wettbewerbsfähigkeit mit asiatischen Standorten ist es nicht zum Besten bestellt. So kann Lesotho in Sachen Produktivität, beispielsweise mit Bangladesch, nicht mithalten. Dies hat viele Gründe, einer liegt in der mangelnden Ausbildung der Arbeitskräfte, ein anderer wohl in der fehlenden handwerklichen Tradition. In der Regel werden in der Textilindustrie Lesothos junge Frauen zwischen 25 und 40 Jahren beschäftigt. Von asiatischen Unternehmern ist immer wieder zu hören, dass afrikanischen Frauen häufig die in der Textilproduktion wichtige Fingerfertigkeit fehle.

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