Angola Öl

Angola will Afrikas führendes Erdölland sein

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Von Inge Hackenbroch (Juni 2010)

Nairobi / Luanda (gtai) - In den nächsten Jahren erwartet Angolas Erdölwirtschaft ausländische Investitionen in der Größenordnung von über 50 Mrd. US$. Die staatliche Erdölgesellschaft ist dabei auch an neuen Partnerländern interessiert, um die bestehende Dominanz von Portugal, Brasilien und der VR China zu verringern. Ein vorrangiges Projekt ist der Bau einer Raffinerie, daneben stehen die Rehabilitierung und Erweiterung der Hydrokraftwerke auf dem Programm.(Kontaktanschriften)

Milliardeninvestitionen stehen in den nächsten Jahren an / Diversifizierung des Energiesektors

Angola ist auf bestem Wege, der größte Erdölproduzent Afrikas zu werden. Nach Angaben der Regierung soll die Förderung von derzeit 1,9 Mio. Barrel per day (bpd) bis 2011 auf 2,2 Mio. bpd steigen. Danach befinden sich gegenwärtig über 30 neue Bohrstellen in der Entwicklung, auch im Tiefseebereich mit noch nicht ausgenutzten Lagerstätten.

Nach Verlautbarung des Finanzministers möchte die Regierung bis 2013 über 50 Mrd. US$ an neuen Direktinvestitionen aus dem Ausland für die Erdölwirtschaft anziehen. Es wird allgemein erwartet, dass im Jahr 2011 eine neue Konzessionsrunde zu Offshore-Blocks ansteht. Die letzte Runde im Jahr 2008 war aufgrund der politischen Unsicherheit im Zusammenhang mit den Parlamentswahlen verschoben worden. Nach Verabschiedung der neuen Verfassung Anfang 2010 sowie anziehenden Ölpreisen verbindet sich neue Hoffnung auf entsprechendes Interesse an einer weiteren Konzessionsrunde.

Als starker Interessent als Bewerber in der nächsten Runde gilt Indien, deren nationale Ölgesellschaft Kooperationen mit der staatlichen angolanischen Sonangol bei der Bewerbung um Konzessionen sowie Explorationsvorhaben vereinbart hat. Pläne für Investitionen in Angola wurden auch von anderen indischen Unternehmen bekannt. So hat die Indian Oil Corp. ein Angebot unterbreitet, sich an dem neuen Raffinerieprojekt der angolanischen Sonaref zu beteiligen und die bestehende Raffinerie in Luanda zu modernisieren. Als weiterer Interessent wird Indiens größtes Erdgasunternehmen, GAIL, genannt, das ab 2012 Flüssiggas / Liquefied Natural Gas (LNG) nach Inbetriebnahme der Anlage aus Angola beziehen will, sowie den Bau einer zusätzlichen LNG-Anlage in Angola vorgeschlagen hat. Wie aus Regierungskreisen in Luanda berichtet wird, begrüße man hier die indischen Aktivitäten auch zur Diversifizierung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Dabei soll vor allem die dominierende Stellung von Portugal, Brasilien und der VR China reduziert werden.

Bei der nächsten Konzessionsrunde halten es Beobachter für wahrscheinlich, dass ein Zuschlag an Interessenten mit der Verpflichtung zu Investitionen in die Errichtung der lange geplanten Sonaref-Raffinerie in Lobito verbunden wird. Das Vorhaben gilt seit langem als ein vorrangiges Projekt der angolanischen Regierung und soll fast 40% der geplanten Neuinvestitionen im Erdölsektor ausmachen. Die Pläne sehen eine Betriebsaufnahme der neuen Raffinerie im Hafen von Lobito bis zum Jahr 2014 vor, bei einer anfänglichen Verarbeitungskapazität von 115.000 bpd beziehungsweise 200.000 bpd ab dem zweiten Jahr. Gegenwärtig befindet sich Sonangol als Alleineigentümer des Betriebs auf der Suche nach Investoren für das Vorhaben.

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